Tuesday, January 15, 2013
DESCRIPICÒN DE VIAJE NUMERO 6 - Das Finale
Mit gemischten Gefühlen sitzen wir auf Platz 17A und B des "Take Another Plane (TAP)" Fluges von Lissabon nach Frankfurt; man kann nun nicht mehr leugnen, dass die Reise vorbei ist. Heute Abend erwarten uns Familie, Schwarzbrot und Weissbier. Auch gut.
BUENOS AIRES
Buenos Aires ist für eine 13 Millionen Stadt eine echte Augenweide und ihrem europäischen Charme kann man nur schlecht widerstehen. Im alten Stadtteil St. Telmo - im "Telmo-Tango" Hostel - bezogen wir Quartier. Die Rezeption wurde von einem aufgepumpten "Porteño" geführt, der ständig Ballerspiele zockte und tolle Steak-Tips geben konnte. Wir liefen und radelten uns 3 Tage die Füße wund und arbeiteten uns durch die Schachbrettstruktur der Stadt. Die lokale "Hafencity" erinnerte uns doch sehr an unsere hamburgische, auch hier eine Mischung aus maritimen Flair und architektonischem Stumpfsinn. Dahinter erstreckt sich unmittelbar ein dschungelartiges Biosphären-Naherholungsgebiet, mit idealen Brutbedingungen für Moskitos und tollen Grillbuden. Das Zentrum besteht aus alten wuchtigen
Prachtbauten und wir sahen die ersten Paare auf der Straße Tango tanzen. Der Arbeiterstadtteil "Boca" mit seinen kunterbunten alten Häuschen überraschte mit einer
Giacometti Ausstellung und verfügt über einen anscheinend wichtigen Fußballclub, "Boca Juniors", deren riesiges Stadion nicht zu übersehen ist. Im Stadtteil Palermo tummeln sich Yuppies und Weißfuß-Hippies und es gibt trendige Boutiquen und arty-farty Eisläden, wo ein Bällchen 4 Euro kostet. So wie Berlin Prenzelberg ungefähr. Auf dem berühmten Friedhof "La Recoleta", wo Evita Peron begraben ist, waren wir auch, aber irgendwie hat man an einem Sonnentag mit 26 Grad keine Lust auf Gräber. Auf dem Dach unseres Hostels nahmen wir 2 Stunden Tango-Unterricht und probierten uns abends auf einer entsprechenden "Milonga" (Dans op de Deel) direkt aus. Dort sahen wir alte Herren in Anzug ihre Damen weitaus eleganter und sinnlicher übers Parkett schieben, als in der miserablen Tango-Show, die wir uns am nächsten Abend im angeblich ganz altehwürdigen "Cafe Tortoni" ansahen. Zum Ballett ins berühmte Teatro de Collon schafften wir es leider nicht mehr, denn Weihnachten rückte näher und das sollte ja am Strand stattfinden.
Wir sind ja gerne immer etwas spät dran, wenn es darum geht den Weitertransport zu erwischen, aber bei der morgendlichen Fähre über den braunen Rio de la Plata nach Uruguay schossen wir den Vogel ab und saßen bei geplanter Abfahrtszeit der Fähre noch im Taxi im Stau. Aber ein Kreuzfahrtschiff blockierte die Hafeneinfahrt und so schafften wir auch diesen Dampfer und waren plötzlich in Uruguay.
URUGUAY
In Montevideo wohnten wir in der Altstadt in einem wunderschönen Hostel mit 5m hohen Decken und einer Dachterrasse mit Blick auf den, naja, die Montevideoaner behaupten es sei das Meer, aber es ist leider nur der braune Rio de la Plata. Hier hatte es bereits 30 Grad und wir radelten kilometerlang die Promenade entlang um die Stadtstrände zu besuchen. Während Mate-Tee Trinker in Argentinien bereits häufig zu sehen sind, sind die Uruguayaner geradezu besessen davon und keiner bewegt sich durch die Gegend ohne eine unter den Arm geklemmte Thermoskanne und seinem Mategefäß. Auch sonst bestechen die Bewohner der "südamerikanischen Schweiz" durch ihre Offenheit und Freundlichkeit und so lernten wir recht schnell lustige Locals bei der samstäglichen Sause (Samba, Cidre und Grillspezialitäten deLuxe) in der Markthalle kennen. Abends forderten die alten Gentlemen der Stadt in der Fußgängerzone ihre Damen zum Tanz auf und schritten über den Asphalt. Ein Arzt im Kittel erkannte das Potential und maß für umgerechnet 50 Cent den Herrschaften den Blutdruck.
Einen Tag vor Weihnachten, dem 93. Geburtstag meiner Oma, fuhren wir mit dem Bus, mal wieder etwas knapp, sodass keine Zeit mehr für den Geldautomaten war, in unser Weihnachtsdomizil nach Cabo Polonio an die uruguayanische Atlantikküste. Hier teilen sich eine der größten Seelöwen Kolonien Südamerikas und eine wilde Ansammlung bunter Hippiehäuser die zwei, von einem Leuchtturm getrennten, dünenbewehrten Sandstrände. Wir verbrachten die entspanntesten Weihnachten aller Zeiten in einer Holzhütte direkt am Strand, feierten mit den örtlichen Rettungsschwimmern, einem aus einer Sukkulente und im Müll von Buenos Aires gefundenen Weihnachtskugeln gebastelten Weihnachtsbaum, frischen Fisch und anschließendem Feuerwerk einen schönen Heiligabend und surften, lasen, schaukelten, schwammen, musizierten, chillten, malten und spazierten uns durch die Weihnachtstage, zusammen mit Marillia aus Brasilien und Diego aus Uruguay, der aussieht wie Benjamin von Stuckrad-Barre. Im Endeffekt hatten wir sehr wenig Lust, diesen schönen Ort wieder zu verlassen.
Unser Geldproblem (denn in Cabo gibt es weder Autos noch Geldautomaten) lösten wir vor Weihnachten noch durch eine 5 stündige Tramp-Aktion in die nächste Stadt, die einen verrückten Doktor, 4 stinkende Hippirücksäcke, eine geschreinerte Tür und eine uruguayanische Bierflasche von 1952 beinhaltet. Aber dies ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden...
IGUAZÚ - WASSERFÄLLE
Nach einer chaotischen Grenzüberquerung waren wir plötzlich in Brasilien und landeten in Porto Allegre. Die Zeit bis zum Abflug nutzen wir um ein VW Autohaus zu besuchen, denn in Brasilien wird tatsächlich noch der T2 Bulli gebaut und kann neu mit 80 PS erworben werden! Neue Perspektive für den Traum vom eigenen Bus.
An meinem Geburtstag besuchten wir die brasilianische Seite der "größten Wasserfälle der Welt" (was auch immer das heißen mag...) und waren hin und weg von diesem feuchten Naturschauspiel. Trotz der vielen brasilianischen Touristen (denn die haben gerade Sommerferien) und ständigen Regengüssen (Regenzeit) kuckten wir stundenlang dem Wasser bei seinem freien Fall zu und waren völlig begeistert von den mutigen Vögeln, die hinter diesem gewaltigen Wasservorhang nesten und einfach in die Wasserwand hineinfliegen und verschwinden. Abends nahmen wir an einer "Rodizio de Carnes" teil; die Kellner zirkeln mit den unterschiedlichsten Fleischsorten am Spieß, die am Tisch portionsgerecht abgeschnitten werden, um die Tische.
Am nächsten Tag besuchten wir noch die argentinische Seite der Wasserfälle und holten uns die letzten Stempel in die Pässe. Hier hat man noch mehr Möglichkeiten die Fälle und alle kleineren Nebenfälle auf Dschungelpfaden zu erkunden und wir hopsten gemeinsam mit Affen und Nasenbären durch den Dschungel um über, unter, neben und in den "Cataratas" zu sein. Abends wurden wir von zwei brasilianischen Motorradgruppen zum Grillen eingeladen und staunten nicht schlecht als uns eine Brasilianerin auf "Pomerana" ansprach, einer Art Plattdeutsch. Ihre Oma war "Pomerano", d.h eine Nachfahrin von pommerschen Einwanderern, von denen es heute noch 2 Mio. in Brasilien gibt. Zu essen gab es übrigens große Stücken Rinderhüfte, in grobem Salz gewälzt, über dem offenen Feuer gegrillt. Dazu passend (?) Käse- und Fleischwurstwürfel. Fertig. Zu trinken "Samba": Cachaça mit Cola.
Nach abschließendem Besuch im Vogelpark, bei der wir die Tukane besonders ins Herz schlossen, startete die Aktion "Silvester in Rio".
RIO DE JANEIRO und ILHA GRANDE
Hier kann ich nur - völlig langweilig - berichten, dass unser genialer Plan aufging und wir pünktlich zu Mitternacht auf den Felsen von Ipanema direkt am Meer saßen und das unglaubliche Feuerwerk sahen, welches an der Copacabana abgebrannt wurde und zeitweise die gesamte Stadt in rot-gold-glitzer tauchte. Später gesellten wir uns noch auf einen Neujahrs-Caipirinha und einen gepflegten Sambatanz zu der knappen Millionen Menschen, die am berühmtesten aller Stadtstrände feierten. Auch wir warfen für die Meeresgöttin "Yemanjá" drei weiße Gladiolen in die Fluten und sendeten unsere Wünsche und Neujahrsgrüße in die ganze Welt. Den Neujahrstag nahmen uns unsere sehr netten Gastgeber mit in den Park "Dos Hermanos" und wir genossen die ersten Ausblicke auf diese Traumstadt. Wäre Rio ein Tellergericht würde ich sagen: Metropole in tropischen Gefilden auf grünem Regenwald gebettet, mit Zuckerhut, Lagune und weißem Strandauflauf. Dazu ein Gläschen frischen Atlantik gefällig? Später spazierten wir die an Feiertagen für Autos gesperrte Strandpromenade von Ipanema entlang und waren begeistert von dem Strandleben welches hier zur Perfektion zelebriert wird. Surfer, Skater, Longboarder, Schwimmer, Sonnenbader, Poser, Slacker, Bodybuilder, Eisverkäufer, Kokosnüsse, Caipis, String-Tangas, Sonnenschirme, Burgenbauer, Volleyballer, Footvolleyballer ... Life is a beach! Zum Sonnenuntergang nahmen wir unser Neujahrsbad und das war bei 26 Grad Wasser und 34 Grad Luft deutlich angenehmer als die Nummer, die wir sonst jedes Jahr auf Sylt abziehen.
Es folgten ein paar heiße, leicht verregnete Tage in Rio, an denen wir alles besuchten, was der gemeine Reieführer so empfiehlt, gewürzt mit tollen Insider-Tipps unserer formidablen Gastgeberin Educyra. Als wir die Hoffnung, der olle Steinmann aufm Küppel würde jemals aus seinen Wolken auftauchen, fast schon aufgegeben hatten, verzog sich endlich der Dunst und wir bestiegen rasch den Corcovado um zusammen mit dem 38m hohen "Cristo" die dolle Aussicht zu genießen. Abends liessen wir uns durch Lapa treiben, dem Pendant zur Reeperbahn mit weniger Rotlicht und viel mehr Live-Musik, schlemmten uns durch fantastisches Sushi in einem angesagten Ipanemaladen und ich kann jetzt nicht schon wieder von einer neuen Grillspezialität schwärmen, die sich "Picanha" nennt...
Für 4 Abschlusstage schlurften wir ein letztes Mal in den Bus und auf die Fähre und ließen uns auf der brasilianischen Urlaubsinsel "Ilha Grande" nieder. Ohne Reservierung kamen wir an und hatten, weil alles voll war, plötzlich ein ganzes Haus mit Meerblick für uns. Ein supernetter Hotelbesitzer hatte sein Privatzimmer zur Verfügung gestellt, mit Schnorchelzeug und Bodyboards. Und obwohl man auch hier wieder viele tolle Wanderungen und Tauchtouren hätte machen können, waren wir einfach 3 Tage am Stück am weißen Strand "Lopes Mendes". Hier ist die Brandung ordentlich, das Wasser kristallklar und drumherum grüner atlantischer Regenwald. Hier lasen wir unsere Bücher fertig und surften endlich mal ausgiebig im 25 Grad warmen Wasser, bis das Gesicht völlig sonnenverbrannt war. Mit dem Smashhit von "Ilha Grande" von Monte Zion, die wir Live gesehen hatten, im Ohr verließen wir auch hier viel zu früh dieses einzigartige Fleckchen Erde und Fähre, Bus, Stau, Rucksack holen, letztes Shopping, letztes Picanha, letzter Caipi, Tschüß Educyra, Tschüß Brasilien, Tschüß Reise.
- ENDE -
BUENOS AIRES
Buenos Aires ist für eine 13 Millionen Stadt eine echte Augenweide und ihrem europäischen Charme kann man nur schlecht widerstehen. Im alten Stadtteil St. Telmo - im "Telmo-Tango" Hostel - bezogen wir Quartier. Die Rezeption wurde von einem aufgepumpten "Porteño" geführt, der ständig Ballerspiele zockte und tolle Steak-Tips geben konnte. Wir liefen und radelten uns 3 Tage die Füße wund und arbeiteten uns durch die Schachbrettstruktur der Stadt. Die lokale "Hafencity" erinnerte uns doch sehr an unsere hamburgische, auch hier eine Mischung aus maritimen Flair und architektonischem Stumpfsinn. Dahinter erstreckt sich unmittelbar ein dschungelartiges Biosphären-Naherholungsgebiet, mit idealen Brutbedingungen für Moskitos und tollen Grillbuden. Das Zentrum besteht aus alten wuchtigen
Prachtbauten und wir sahen die ersten Paare auf der Straße Tango tanzen. Der Arbeiterstadtteil "Boca" mit seinen kunterbunten alten Häuschen überraschte mit einer
Giacometti Ausstellung und verfügt über einen anscheinend wichtigen Fußballclub, "Boca Juniors", deren riesiges Stadion nicht zu übersehen ist. Im Stadtteil Palermo tummeln sich Yuppies und Weißfuß-Hippies und es gibt trendige Boutiquen und arty-farty Eisläden, wo ein Bällchen 4 Euro kostet. So wie Berlin Prenzelberg ungefähr. Auf dem berühmten Friedhof "La Recoleta", wo Evita Peron begraben ist, waren wir auch, aber irgendwie hat man an einem Sonnentag mit 26 Grad keine Lust auf Gräber. Auf dem Dach unseres Hostels nahmen wir 2 Stunden Tango-Unterricht und probierten uns abends auf einer entsprechenden "Milonga" (Dans op de Deel) direkt aus. Dort sahen wir alte Herren in Anzug ihre Damen weitaus eleganter und sinnlicher übers Parkett schieben, als in der miserablen Tango-Show, die wir uns am nächsten Abend im angeblich ganz altehwürdigen "Cafe Tortoni" ansahen. Zum Ballett ins berühmte Teatro de Collon schafften wir es leider nicht mehr, denn Weihnachten rückte näher und das sollte ja am Strand stattfinden.
Wir sind ja gerne immer etwas spät dran, wenn es darum geht den Weitertransport zu erwischen, aber bei der morgendlichen Fähre über den braunen Rio de la Plata nach Uruguay schossen wir den Vogel ab und saßen bei geplanter Abfahrtszeit der Fähre noch im Taxi im Stau. Aber ein Kreuzfahrtschiff blockierte die Hafeneinfahrt und so schafften wir auch diesen Dampfer und waren plötzlich in Uruguay.
URUGUAY
In Montevideo wohnten wir in der Altstadt in einem wunderschönen Hostel mit 5m hohen Decken und einer Dachterrasse mit Blick auf den, naja, die Montevideoaner behaupten es sei das Meer, aber es ist leider nur der braune Rio de la Plata. Hier hatte es bereits 30 Grad und wir radelten kilometerlang die Promenade entlang um die Stadtstrände zu besuchen. Während Mate-Tee Trinker in Argentinien bereits häufig zu sehen sind, sind die Uruguayaner geradezu besessen davon und keiner bewegt sich durch die Gegend ohne eine unter den Arm geklemmte Thermoskanne und seinem Mategefäß. Auch sonst bestechen die Bewohner der "südamerikanischen Schweiz" durch ihre Offenheit und Freundlichkeit und so lernten wir recht schnell lustige Locals bei der samstäglichen Sause (Samba, Cidre und Grillspezialitäten deLuxe) in der Markthalle kennen. Abends forderten die alten Gentlemen der Stadt in der Fußgängerzone ihre Damen zum Tanz auf und schritten über den Asphalt. Ein Arzt im Kittel erkannte das Potential und maß für umgerechnet 50 Cent den Herrschaften den Blutdruck.
Einen Tag vor Weihnachten, dem 93. Geburtstag meiner Oma, fuhren wir mit dem Bus, mal wieder etwas knapp, sodass keine Zeit mehr für den Geldautomaten war, in unser Weihnachtsdomizil nach Cabo Polonio an die uruguayanische Atlantikküste. Hier teilen sich eine der größten Seelöwen Kolonien Südamerikas und eine wilde Ansammlung bunter Hippiehäuser die zwei, von einem Leuchtturm getrennten, dünenbewehrten Sandstrände. Wir verbrachten die entspanntesten Weihnachten aller Zeiten in einer Holzhütte direkt am Strand, feierten mit den örtlichen Rettungsschwimmern, einem aus einer Sukkulente und im Müll von Buenos Aires gefundenen Weihnachtskugeln gebastelten Weihnachtsbaum, frischen Fisch und anschließendem Feuerwerk einen schönen Heiligabend und surften, lasen, schaukelten, schwammen, musizierten, chillten, malten und spazierten uns durch die Weihnachtstage, zusammen mit Marillia aus Brasilien und Diego aus Uruguay, der aussieht wie Benjamin von Stuckrad-Barre. Im Endeffekt hatten wir sehr wenig Lust, diesen schönen Ort wieder zu verlassen.
Unser Geldproblem (denn in Cabo gibt es weder Autos noch Geldautomaten) lösten wir vor Weihnachten noch durch eine 5 stündige Tramp-Aktion in die nächste Stadt, die einen verrückten Doktor, 4 stinkende Hippirücksäcke, eine geschreinerte Tür und eine uruguayanische Bierflasche von 1952 beinhaltet. Aber dies ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden...
IGUAZÚ - WASSERFÄLLE
Nach einer chaotischen Grenzüberquerung waren wir plötzlich in Brasilien und landeten in Porto Allegre. Die Zeit bis zum Abflug nutzen wir um ein VW Autohaus zu besuchen, denn in Brasilien wird tatsächlich noch der T2 Bulli gebaut und kann neu mit 80 PS erworben werden! Neue Perspektive für den Traum vom eigenen Bus.
An meinem Geburtstag besuchten wir die brasilianische Seite der "größten Wasserfälle der Welt" (was auch immer das heißen mag...) und waren hin und weg von diesem feuchten Naturschauspiel. Trotz der vielen brasilianischen Touristen (denn die haben gerade Sommerferien) und ständigen Regengüssen (Regenzeit) kuckten wir stundenlang dem Wasser bei seinem freien Fall zu und waren völlig begeistert von den mutigen Vögeln, die hinter diesem gewaltigen Wasservorhang nesten und einfach in die Wasserwand hineinfliegen und verschwinden. Abends nahmen wir an einer "Rodizio de Carnes" teil; die Kellner zirkeln mit den unterschiedlichsten Fleischsorten am Spieß, die am Tisch portionsgerecht abgeschnitten werden, um die Tische.
Am nächsten Tag besuchten wir noch die argentinische Seite der Wasserfälle und holten uns die letzten Stempel in die Pässe. Hier hat man noch mehr Möglichkeiten die Fälle und alle kleineren Nebenfälle auf Dschungelpfaden zu erkunden und wir hopsten gemeinsam mit Affen und Nasenbären durch den Dschungel um über, unter, neben und in den "Cataratas" zu sein. Abends wurden wir von zwei brasilianischen Motorradgruppen zum Grillen eingeladen und staunten nicht schlecht als uns eine Brasilianerin auf "Pomerana" ansprach, einer Art Plattdeutsch. Ihre Oma war "Pomerano", d.h eine Nachfahrin von pommerschen Einwanderern, von denen es heute noch 2 Mio. in Brasilien gibt. Zu essen gab es übrigens große Stücken Rinderhüfte, in grobem Salz gewälzt, über dem offenen Feuer gegrillt. Dazu passend (?) Käse- und Fleischwurstwürfel. Fertig. Zu trinken "Samba": Cachaça mit Cola.
Nach abschließendem Besuch im Vogelpark, bei der wir die Tukane besonders ins Herz schlossen, startete die Aktion "Silvester in Rio".
RIO DE JANEIRO und ILHA GRANDE
Hier kann ich nur - völlig langweilig - berichten, dass unser genialer Plan aufging und wir pünktlich zu Mitternacht auf den Felsen von Ipanema direkt am Meer saßen und das unglaubliche Feuerwerk sahen, welches an der Copacabana abgebrannt wurde und zeitweise die gesamte Stadt in rot-gold-glitzer tauchte. Später gesellten wir uns noch auf einen Neujahrs-Caipirinha und einen gepflegten Sambatanz zu der knappen Millionen Menschen, die am berühmtesten aller Stadtstrände feierten. Auch wir warfen für die Meeresgöttin "Yemanjá" drei weiße Gladiolen in die Fluten und sendeten unsere Wünsche und Neujahrsgrüße in die ganze Welt. Den Neujahrstag nahmen uns unsere sehr netten Gastgeber mit in den Park "Dos Hermanos" und wir genossen die ersten Ausblicke auf diese Traumstadt. Wäre Rio ein Tellergericht würde ich sagen: Metropole in tropischen Gefilden auf grünem Regenwald gebettet, mit Zuckerhut, Lagune und weißem Strandauflauf. Dazu ein Gläschen frischen Atlantik gefällig? Später spazierten wir die an Feiertagen für Autos gesperrte Strandpromenade von Ipanema entlang und waren begeistert von dem Strandleben welches hier zur Perfektion zelebriert wird. Surfer, Skater, Longboarder, Schwimmer, Sonnenbader, Poser, Slacker, Bodybuilder, Eisverkäufer, Kokosnüsse, Caipis, String-Tangas, Sonnenschirme, Burgenbauer, Volleyballer, Footvolleyballer ... Life is a beach! Zum Sonnenuntergang nahmen wir unser Neujahrsbad und das war bei 26 Grad Wasser und 34 Grad Luft deutlich angenehmer als die Nummer, die wir sonst jedes Jahr auf Sylt abziehen.
Es folgten ein paar heiße, leicht verregnete Tage in Rio, an denen wir alles besuchten, was der gemeine Reieführer so empfiehlt, gewürzt mit tollen Insider-Tipps unserer formidablen Gastgeberin Educyra. Als wir die Hoffnung, der olle Steinmann aufm Küppel würde jemals aus seinen Wolken auftauchen, fast schon aufgegeben hatten, verzog sich endlich der Dunst und wir bestiegen rasch den Corcovado um zusammen mit dem 38m hohen "Cristo" die dolle Aussicht zu genießen. Abends liessen wir uns durch Lapa treiben, dem Pendant zur Reeperbahn mit weniger Rotlicht und viel mehr Live-Musik, schlemmten uns durch fantastisches Sushi in einem angesagten Ipanemaladen und ich kann jetzt nicht schon wieder von einer neuen Grillspezialität schwärmen, die sich "Picanha" nennt...
Für 4 Abschlusstage schlurften wir ein letztes Mal in den Bus und auf die Fähre und ließen uns auf der brasilianischen Urlaubsinsel "Ilha Grande" nieder. Ohne Reservierung kamen wir an und hatten, weil alles voll war, plötzlich ein ganzes Haus mit Meerblick für uns. Ein supernetter Hotelbesitzer hatte sein Privatzimmer zur Verfügung gestellt, mit Schnorchelzeug und Bodyboards. Und obwohl man auch hier wieder viele tolle Wanderungen und Tauchtouren hätte machen können, waren wir einfach 3 Tage am Stück am weißen Strand "Lopes Mendes". Hier ist die Brandung ordentlich, das Wasser kristallklar und drumherum grüner atlantischer Regenwald. Hier lasen wir unsere Bücher fertig und surften endlich mal ausgiebig im 25 Grad warmen Wasser, bis das Gesicht völlig sonnenverbrannt war. Mit dem Smashhit von "Ilha Grande" von Monte Zion, die wir Live gesehen hatten, im Ohr verließen wir auch hier viel zu früh dieses einzigartige Fleckchen Erde und Fähre, Bus, Stau, Rucksack holen, letztes Shopping, letztes Picanha, letzter Caipi, Tschüß Educyra, Tschüß Brasilien, Tschüß Reise.
- ENDE -
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